Aufgrund der überraschend schnellen Bewältigung meiner Thailand-Route und unterwegs erhaltenen, sehr positiven Kommentaren zu Laos entschied ich mich dafür, eine Woche in diesem (mir zuvor beinahe vollkommen unbekannten) Land zu verbringen. Da der Norden sehr einfach zu bewältigen ist, lag die “typische” Touristenroute nahe: Mit dem Slowboat auf dem Mekong ins Weltkulturerbe Luang Prabang… dann in die sehr westliche Partyhochburg Vang Vieng und anschliessend in die Hauptstadt, von wo aus es zurück nach Thailand geht. Wer weitere Informationen über dieses unheimlich schöne, interessante und geschichtsträchtige Laos haben will, findet hier einen ersten Überblick.
Chiang Khong (Thailand):
Dank nicht funktionierendem Geldautomat musste ich in Chiang Khong Gebrauch von den mitgebrachten Euros machen:
Mit dem schlechtmöglichsten Wechselkurs tauschte ich insgesamt 32E gegen 31 US-Dollar die man auf der anderen Seite des Mekongs für das Laos-Visum bezahlen musste. In Laos selbst hob ich am funktionierenden Geldautomat die maximal mögliche Summe ab (700 000Kip) und hatte nur grob eine Ahnung, wieviel Geld ich jetzt in den Händen hielt (oft dachte ich an einen meiner Lieblings-Songtitel -nicht Songs!- : “You Think I Ain’t Worth a Dollar, But I Feel Like a Millionaire” von den Queens of the Stone Age). Die neue Währung machte mir die kommenden Tage noch einige Probleme beim Umrechnen, heute weiß ich, dass es etwa 56E waren.
Den “1-2km” langen Weg zum Bootspier legte ich mit meinem Skate-Rucksack zurueck. Da sich Steigungen und Gefaelle abwechselten, konnte ich neben dem normalen Hinterherziehen auch andere Bewegungsformen antesten. Bei leichtem Gefaelle liess sich mein Rucksack naemlich lockere 10-20m bowlen… und bei starkem Gefaelle habe ich mich einfach drauf gesetzt und bin Cool-Runnings-maessig den Berg runtergerollt, was bei den Einheimischen und mir zu lautem Gelaechter fuehrte. Am Pier lernte ich Dirk und Markus aus Wuerzburg sowie Prisca und Thomas aus Koeln kennen, mit denen ich die komplette kommende Woche und eine sehr schoene Zeit verbringen sollte.
Zur Bootsfahrt:
Das Slow Boat faehrt am ersten Tag etwa 6h nach Pak Beng, wo man sich eine Unterkunft suchen muss. Am naechsten Tag geht es um 9 Uhr weiter Richtung Luang Prabang, Fahrtzeit etwa 9h. Im Internet gibt es zahlreiche Negativberichte ueber die Bootsfahrt (zu viel Leute auf einem Boot), wobei wir am ersten Tag positiv ueberrascht waren. Wer keinen Platz auf den Baenken erwischt hatte, konnte sich auf einem sehr grossen Freibereich auf den Boden setzen und eine recht bequeme Sitz-/Liegeposition einnehmen.
Die meisten verließen diese aber schnell, um sich auf die Reling zu setzen, die Füße in den Mekong zu halten und bei leckerem Beerlao auf die kommende Bootsfahrt anzustossen. Nach und nach entwickelte sich der mittlere Bereich des Bootes zu einer richtig kleinen Party… man kam mit vielen netten Leuten ins Gespräch und stieß auf alles Mögliche an. Auf der Fahrt sprach ich u.A. mit einer jungen Grundschullehrerin aus England, die zusammen mit ihrem Freund gerade eine Weltreise unternimmt. Neben Einblicken in das britische Unterrichten und die Reputation von Lehrern in GB zeigte sie mir auch ein paar Lao-Wörter, die ihnen ein Laote auf einen Block geschrieben hatte. Dass “zu teuer” das dritte Wort auf der Liste war, fand ich so erschreckend/lustig, dass es mir ein Foto wert war. Ab und zu hielt das Boot an kleinen Dörfern an und nahm Einheimische auf.
In Pak Beng angekommen fanden wir ein schönes Guesthouse und hatten ein günstiges Abendessen mit kostenlosem und unbegrenzten Schnaps. Der schmeckte aber so extrem gepanscht, dass wir nicht mehr als eine halbe Flasche tranken. Der Nebenerwerb des Kellners bestand darin, Opiumkaffees und ähnliche Produkte zu verkaufen… was von der einen Hälfte unseres Tisches (andere Deutsche die wir getroffen hatten) auch ausgiebig genutzt wurde. Die andere Hälfte (wir) beschäftigte sich eher mit den rumfliegenden und surrenden Zikaden – dabei musste ein Plastikstuhl dran glauben, der uns dann in Rechnung gestellt wurde.

Am nächsten Morgen war unser “Partyboot” durch ein kleineres ersetzt worden, sodass sich jegliche Negativberichte aus dem Internet nachvollziehen und bestätigen ließen: Wir saßen zusammengepfercht auf harten Bänken und waren froh, dass die Fahrzeit etwas weniger als die angekündigten 9h betrug. Mein Nebensitzer hatte sich morgens noch einen dicken Opiumkaffee bestellt und verschenkte später Chips und andere Snacks. Netter Kerl, wenn auch ziemlich durchgeknallt. :)
Luang Prabang
Nach etwa 8h Bootsfahrt kamen wir in Luang Prabang an und tranken nach erfolgreicher Guesthouse-Suche erstmal Beerlao, während wir den Sonnenuntergang über dem Mekong betrachteten. Das Städtchen (UNESCO-Weltkulturerbe) lockt mit Kolonialstil, Wasserfällen und beinahe täglichen, aber kurzen Stromausfällen. Das morgendliche Ritual, bei dem alle Mönche dem Alter nach aufgestellt Reis sammeln, haben wir kurz vor unserer Abfahrt nach Vang Vieng ebenfalls miterlebt.
Vang Vieng
Mit dem Bus ging es von Luang Prabang nach Vang Vieng weiter. Der Bus schlängelte sich die Berge rauf und runter und eröffnete von schwachem Regen getrübte, trotzdem wahnsinnige Ausblicke auf die laotische Landschaft.
Bei der Ankunft in Vang Vieng schien schon wieder die Sonne… Meine Planung, direkt weiter nach Vientiane zu fahren, änderte sich also (auch weil es gar keinen Bus mehr nach Vientiane gab… :D). Dementsprechend war der Weg frei für Tubing und die TV-Bars, die den ganzen Tag Wiederholungen von “Friends”, “Family Guy” und den “Simpsons” zeigen.
Zum Tubing: Für eine Gebühr von etwa 4 Euro erhält man einen aufgeblasenen Reifen, wird per TukTuk an eine Einstiegsstelle flussaufwärts gefahren und dort vor einer Bar abgesetzt (Bilder findet ihr bei Google). An der Bar gibts dann erstmal Free Shots, andere Getränke und die Möglichkeit, den Fluss und seine (doch recht starke) Strömung kennen zu lernen. Bevor man sich mit dem Reifen auf den Fluss begibt um sich alle paar Meter von Bars “angeln” zu lassen, kann man über Seilbahnen (so ähnlich wie im Kletterpark) und Trapeze erste Bekanntschaften mit dem Wasser machen (ohne Reifen). Wir starteten gegen 12 Uhr und brauchten für die ersten 100m etwa 3h (inklusive Ausprobieren aller Trapeze, Seilbahnen, 30 Minuten Matschvolleyball, Matschseilziehen, etc.). Die gesamte Strecke war mehr als 2km lang, sodass wir unsere Kaution für die rechtzeitige Rückgabe der Reifen schon als gefährdet betrachteten und in einer der letzten Bars dann einfach ignorierten, um noch ein bisschen (normales) Volleyball zu spielen. Bei einem beeindruckenden Sonnenuntergang ließen wir uns den letzten Kilometer flussabwärts treiben (hier kamen auch keine Bars mehr) und konnten garnicht oft genug wiederholen, wie hammergut dieser Tag war.
Neben all dem Spass und (hier spreche ich für mich: sehr geringen) Alkoholkonsum war uns die ganze Zeit bewusst, dass bei diesem “Abenteuer” durchaus Unfaelle passieren können und man vorsichtig sein muss. Am ersten Abend warnten uns einige Leute vor Infektionen (von erlittenen Verletzungen an den spitzen Steinen) und erzählten auch von einem Todesfall, der sich vor einem halben Jahr auf einer der Rutschen ereignete. Vor Ort erlebten wir, wie einer Frau beim Einschwingen mit dem Trapez (also von einer 4-6m hohen Plattform, je nachdem an welcher Bar man gerade ist) die Hände abrutschten und sie mit dem Oberkörper aufs Wasser aufschlug und bewusstlos wurde. Daraufhin sprangen zahlreiche Angestellte ins Wasser, um sie aus der Stroemung an Land zu ziehen; nach ein paar Sekunden war die Frau zum Glück wieder fit. Da man sich mit den Trapezen ziemlich hoch über die Wasseroberfläche schwingen kann (schätzungsweise 5-7m?) birgt ein falsches Aufkommen ebenfalls Gefahren.
Abends kam man an den schönen, mit Hängematten ausgestatten Bars bei günstigen Buckets (Whisky Cola Lime fuer weniger als 1E!) mit vielen interessanten Leuten ins Gespräch. Neben den “normalen” Leuten unterhielt ich mich z.B. eine Weile mit einem ehemaligen Ice-Dealer, der jetzt einen ehrlichen Job anstrebt und einiges zur amerikanischen Politik zu sagen hatte. Sein Freund ist dagegen noch aktiv in der Szene und wurde zum Zeitpunkt unseres Gesprächs nach Eigenaussage in verschiedenen Ländern mit Haftbefehl gesucht… dass die beiden in der ersten Hälfte des Gesprächs Frauenklamotten trugen (die sie zuvor auf der Tanzfläche eingetauscht hatten) sollte vielleicht nicht unerwähnt bleiben. Auf dem Slow Boat trafen wir außerdem einen Deutschen, der im Second Life Ausstattungen für Discos und Clubs verkauft und so ein stetiges Nebeneinkommen hat – man trifft die komischsten Leute, mit den komischsten Geschichten.
Am nächsten Tag frühstückten wir in der “Friends”-Bar, verabschiedeten uns voneinander und fuhren weiter nach Bangkok (Thomas, Prisca), Koh Chang (Dirk, Markus) und Vientiane (ich). Kurz bevor ich mich vom TukTuk zum Busbahnhof fahren ließ, traf ich auf einen Israeli der auf Koh Phangan 2 Nächte im Bungalow neben mir war und Felix aus Nürnberg, der den vorherigen Abend und das Tubing mit uns verbrachte.
Vientiane
Nach einer 3h langen Busfahrt, während der ich hauptsächlich geschlafen und die laotische Landschaft genossen habe (mit dem dafür hervorragend geeigneten “Float On” von Modest Mouse), erreichten wir den Busbahnhof. Während wir einem Songthaew-Fahrer mal wieder den Deal seines Lebens ermöglichten (12 Personen, jeweils 10000Kip) ereignete sich am Horizont einer der schönsten Sonnenuntergänge meiner Reise.
Die Einfahrt in die Stadt war recht vielversprechend… auf einem großen Platz wurde Federball und Fußball gespielt, daneben gab es ein Aerobic-Studio… und das verschwindende Sonnenlicht tat sein Übriges. Untergekommen bin ich in einem Guesthouse, das mir Felix noch in Vang Vieng empfohlen hatte… die etwas höheren Zimmerpreise wurden durch perfekte Sauberkeit und kostenloses Frühstueck gerechtfertigt. Statt einem gerichteten Teller (wie in Chiang Mai) glich dieses Frühstück eher einem Buffet, an dem man sich Kaffee, Früchte, Toast und Spiegeleier frei zusammenstellen kann. 4 Spiegeleier zum Frühstück… daran könnte ich mich gewöhnen.
Bei meinem ersten Gang durch die Stadt fing es bereits am ersten Wat zu regnen an, was sich in den nächsten 3h nicht ändern sollte. Gegen 12 Uhr war ich zurück an meinem Guesthouse, um mein Doppelzimmer in ein kleineres einzutauschen. Mit Früchten im Gepäck ging es weiter… und der Regen wurde richtig heavy. An der amerikanischen Botschaft fragte man mich, warum ich keinen Regenschirm hätte, woraufhin ich entgegnete, dass der jetzt auch nichts mehr an meinen nassen Klamotten ändern würde. Wenn ihr parallel gerade den Wikipedia-Artikel aufhabt… bin zum Patou Xai und Pha That Luang, wobei ich zwischen diesen beiden Sehenswürdigkeiten eine Pause einlegte, weil es so brutal regnete. Ich gönnte mir einen Ice Tea und hatte ein kurzes Gespräch mit einem jungen Laoten. Nachdem ich ihm meine Route erklärte, meinte er, dass ich schon um Einiges mehr von Laos gesehen hätte als er… komisches Gefühl. Wir redeten über Deutschland, Skatespots in Vientiane und Handytarife in Laos – seine Prepaid-Aufladekarten hiessen “Happy Rain”, was mich beim Blick auf die Strasse zum Lächeln brachte.
Über einen riesigen Platz ging es im schwächer werdenden Regen durch Pfützen zu einem großen Gebäude, hinter dem ich Pha That Luang vermutete. Als ich die Treppen zum Eingang bestieg und in Sichtweite der Securities kam, fingen sie plötzlich an zu schreien und zu fuchteln, dass ich gefälligst verschwinden solle… was ich (etwas verstört) natürlich machte. Keine 10 Sekunden später kam eine von Polizei begleitete Limousinenkolonne, aus der vermutlich irgendein Botschafter in das Gebäude begleitet wurde, in welches ich Sekunden zuvor noch mit meinen komplett durchnässten Klamotten und Flip-Flops stiefeln wollte. :D Den richtigen Eingang zum Pha That Luang habe ich dann 200m neben dem Gebäude doch noch gefunden und einen Blick auf das (etwas enttäuschende) laotische Nationalsymbol geworfen.

Nach meinem 60 Minuten-Marsch durch den strömenden Regen wollte ich mir eigentlich ein TukTuk zurück ins Stadtinnere leisten… allerdings hatte der Regen während des Besuchs von Pha That Luang aufgehört. Dementsprechend kühn waren meine Feilschereien mit den TukTuk-Fahren (“notfalls würde ich halt doch laufen”)… und wie so oft bin ich dann auch tatsächlich wieder gelaufen, was dank der nassen Straße und den rutschigen Flip-Flops durchaus gefährlich und nervig war. Plötzlich hielt ein Rollerfahrer an, fragte wo ich hinwolle und bot mir an, mich kostenlos zu meinem gewünschten Ziel mitzunehmen. Klasse. :)
Innerhalb eines Tages hatte ich alle Sehenswürdigkeiten in Vientiane gesehen und konnte leicht Abschied nehmen. Aufgrund des durchgehend schlechten Wetters kam ich hier leider nicht zum Skaten, wie es eigentlich geplant war. Nun freue mich sehr auf die letzte Woche in Thailand und die baldige Rückkehr zu euch allen nach Deutschland.
Mit lieben Grüßen,
Sebastian























































Joachim says:
Der auf dem Trapez-Video – warst du das? Jedenfalls vermitteln die Filme, Dein Bericht und Deine Bilder einen Super-Eindruck von alle dem Schönen und Abenteuerlichen, das Du auf Deiner Reise erlebst. Klasse! Weiterhin gute Reisewünsche für Dich und liebe Grüße Ulrike und Joachim
27,Sep.2009Andrea says:
Die Bilder von den Wasserfällen sind ja wirklich atemberaubend, das von deinem Semi-Mitbewohner eher weniger einladend für mich, aber es war ja wohl ein (intaktes?) Gitter davor. Wir alle freuen uns auf deine Rückkehr und wünschen dir noch eine erlebnisreiche letzte Woche. Mittlerweile haben auch die Pforzheimer ein Abonnement auf deine Reiseerlebnisse gebucht. Lass es dir gut gehen und komm heil zurück. Andrea & Matthias
27,Sep.2009